Start

"Was immer du tun kannst oder träumst es zu können,
fang damit an.“

Johann Wolfgang von Goethe

Das Araber Almerhof Team erklimmt die Alpen vom 25. - 29. August 2014
"Hin- und Zurück zwischen Angst und Abgrund"

Anreisetag:
Nach Wochen der Vorbereitung und wachsender Aufregung war es endlich soweit. Das Abenteuer konnte beginnen. Nachdem alle Pferde versorgt, die Taschen gepackt und auch noch kurz der Amtstierarzt für das nötige Gesundheitszeugnis am Hof war, haben wir uns auf den Weg gemacht. Wie mit Hannah und Rainer, unseren Rittführern, vereinbart, sind wir mit unseren Hängern nach Brixen im Thale, Feuring, gefahren. Bei Johann und seiner Familie durften wir für unsere Pferde großzügige Paddocks auf einer üppigen Wiese direkt vor dem Haus mit unseren Gästezimmer aufbauen. Die Hänger haben wir noch am selben Abend auf dem Parkplatz im ca. 60 km entfernten Krimml abgestellt. Otto Platzer brachte die Fahrer zurück nach Feuring. Da konnten wir schon einen ersten Eindruck von der traumhaften Landschaft und den bevorstehenden Abenteuern erhalten.

Tag 1:
Nach einer kurzen Nacht und einem herzhaften Frühstück wurde es ernst - Taschen packen, satteln, Paddocks abbauen und gleich rein in die Regenklamotten. Nicht nur der Wetterbericht brachte schlechte Neuigkeiten, auch ließen dicke Regenwolken Tatsachen sprechen. Hochmotiviert ließen wir uns davon nicht abbringen und traten unsere erste Tagesetappe von ca. 37 km an. Bald darauf wurden wir dann auch mit bestem Reitwetter belohnt. Mittags konnten wir bei Sonnenschein auf einer Terrasse unser Essen genießen. Die Pferde nutzten die Pause für ein Nickerchen. Wer hätte es gedacht, dass die Almerhof-Pferde zwischen Bäumen angehängt brav stehen bleiben??! Aber damit noch längst nicht genug... weiter ging es über die Filzenscharte (ca. 1600 Höhenmeter). Hier mussten wir mit unseren Pferden durch ein Hochmoor. Hannah ging voraus um uns den Weg zu zeigen und Rainer trieb uns von hinten durch - ja die zwei meinten es ernst als sie sagten wir dürfen nicht stehen bleiben, weil wir sonst stecken bleiben...
Nachdem wir dieses Hindernis bewältigt hatten, kam auch schon die nächste Hürde. Da die Wege alle x-hundert Meter mit Viehgittern versehen sind, musste Hannah uns den Zaun mit Stacheldraht neben dem "Tor" entfernen. Hier war der Durchgang eng, mit großen Felsbrocken gespickt und mit tiefen Matsch gefüllt. Nachdem Hannah beim Öffnen bis zum Knie im Matsch versunken ist, dachten Gharib und Shamanta wohl ein anderer Weg wäre besser. Shamanta versenkte Rainer fast im Morast bevor sie sich doch überreden ließ durch zu gehen. Gharib entschied sich dagegen für die Variante "ich spring jetzt einfach mal so hoch wie möglich irgendwohin". Am Ende sind wir dann aber alle heil durchgekommen; den Marillenschnaps (oder zwei) auf der Sonntagsalm haben wir uns aber dennoch alle redlich verdient. Ob den zwei erfahrenen Rittführern so langsam klar wurde was noch alles auf sie zukommen wird?! Die restlichen 7 km der Tagesetappe ging es bergab zu Anita und Otto nach Neukirchen. Ein bisschen durchnässt vom regnerischen Wetter auf den letzten km wurden wir hier herzlich empfangen. Sowohl Pferde als auch Menschen haben ein gemütliches Lager und reichlich zum Essen bekommen.

Tag 2:
Nach einer erholsamen Nacht und leckerem Frühstück ging es bald weiter. Aber zuerst durften wir Anita´s Hengst Sauda Zahra noch bei der Arbeit beobachten. Hannah und Rainer´s Stuten Shania und Lucky, im Offenstall neben dem Deckstand untergebracht, waren davon allerdings eher peinlich berührt und drehten sich verschämt weg. An diesem Tag stand eine Strecke von ca. 25 km an. Aufgrund der starken Regenfälle in den vorangegangenen Wochen war ein großer Teil der geplanten Strecke überschwemmt sodass wir einige Umwege reiten mussten. Das Wetter wurde allerdings immer besser und auch an Tag 2 konnten wir unser Mittagessen vor der Pizzeria in Krimml mit Ausblick auf die Krimmler Wasserfälle genießen. Erst mussten wir aber an "Prutus dem Polen" vorbei - das lebensechte Plastikross war für Gharib eine "Begegnung der 3. Art" und sorgte für viel Furore, da sich das Viech so überhaupt nicht von Gharib´s Einschüchterungsversuchen beeindrucken ließ... hoffentlich trägt Prutus seine Kriegsverletzung mit Würde...

Nach der Mittagspause ging es ein Stück über die Gerlos Passtraße weiter an den größten Wasserfällen Europas vorbei. Auch hier war wieder Mut verlangt, denn der Weg schlängelte sich teilweise an Felswänden mit Wasserfällen entlang. Auch auf der anderen Seite des Weges gab es nur einen Abhang. Nachdem wir den Berg erklommen hatten, ging es durch das Krimmler Achental durch die traumhafte Landschaft des Nationalparks Hohe Tauern. Zwar hatten wir den Großteil der Höhenmeter unserer Tagesetappe bereits bewältigt, jedoch stand uns noch ein Marsch durch einen 300 m langen, unbeleuchteten Tunnel bevor. Mit Stirnlampen und reichlich Reflexionsmaterial bewaffnet haben wir diesmal alle diese Hürde mit Bravour gemeistert. Allerdings gibt es in diesem Hochtal nicht nur reichlich Bäche und Wasserfälle, auch wird hier seit dem Mittelalter Almwirtschaft betrieben. Kühe sind in den westlichen Wäldern von Augsburg ein eher seltener Anblick und haben, dieses Mal bei Shamanta und Dankeschön, für mächtig Aufregung gesorgt. Und da sich Petra schon den ganzen Tag über einen schmerzenden Allerwertesten vom langen Reiten beschwert hat, hat Dankeschön kurzerhand für "viel Luft im Sattel" gesorgt, als es mitten durch die Kuhherde ging. Auch Shamanta hätte sich fast für ein Bad im Gebirgsbach entschieden als sich die Kühe das "Barbiepferd" dann auch mal etwas näher ansehen wollten.

Obwohl wir wieder einen ereignisreichen aber wunderschönen Tag erlebt hatten, haben wir nach einem geselligen Abend im Krimmler Tauernhaus bei Familie Geisler, leckerem Essen und auch ein paar hausgemachten Schnäpsen die Bettruhe um 22.00 Uhr "knapp" verpasst. So mussten Christine und Steffi, da nicht im Besitz von Duschmarken, nach einer eiskalten (Gletscherwasser-) Dusche leise ins Bettenlager krabbeln. Die Pferde waren zusammen mit einer Kuh auf einer riesigen Weide untergebracht, die von zwei Seiten von einem Bach eingegrenzt ist.

Tag 3:
Da auf einer Berghütte in den Schlaflagern zum Glück die Gäste im Allgemeinen frühzeitig munter werden, konnte Steffi noch vor dem Frühstück nach den Pferden sehen. Da wir die Pferde nur mit einem Elektroband, etwas über einen Meter hoch, abtrennen konnten, war die Spannung doch groß ob der Hengst den allzu verliebten Stuten einen Besuch abgestattet hatte. Und tatsächlich, Shamanta und Dankeschön sind in der Nacht umgezogen. Zum Glück nur zu den anderen zwei Stuten. Die Wiese der Stuten hatten wir vorsichtshalber abgetrennt. Ob wohl die Kuh schuld war?
Für unseren 3. Ritttag stand eine Tour durch den Nationalpark Hohe Tauern auf dem Plan. Kurz gesagt, der Tag war geprägt von vielen vielen Kühen und noch mehr Wasser... beides haben wir in Summe nicht ganz so erfolgreich gemeistert. Je höher wir kamen, desto schmaler wurde der Weg, Geröll den Weg gesäumt und Gebirgsbäche unsere Route gekreuzt. Da Gharib nicht so viel von Wasser hält, wollte er lieber wieder zeigen was für ein gutes Springpferd er doch hätte werden können. Da das bei diesen Bodenverhältnissen zu gefährlich ist, haben wir uns entschieden umzukehren und einen anderen Weg zu nehmen. Vorher durften die Pferde aber auf einer Almwiese ihr Mittagessen zu sich nehmen, und wir die herrliche Aussicht auf den Gletscher genießen. Auf dieser Höhe waren wir dann doch alle sehr erstaunt als den mit Steinen gesäumten Weg ein 90-Jähriger mit Krücken entlang kam und uns von seiner Wiese scheuchte. Durch den vielen Regen sei das Gras knapp und seine Kühe benötigen jeden Halm. Während Rainer sich für uns opferte und mit den zwei Brüdern ein Bier trank um uns "freizukaufen", nutzten die Pferde die Zeit für ein Nickerchen.

Das nächste Hindernis ließ allerdings nicht arg lange auf sich warten. Bei einer kleinen Almkäserei bewachten zwei lebende Fleischberge die Brücke. Die zwei haben sich auch von der tapferen Shania nicht vertreiben lassen. "Gezwungener Maßen" machten wir es uns dort gemütlich, bestellten uns kühles Radler und köstliche Käsebrote. Die Pferde konnten wieder grasen und wir die Sonne genießen. Zwischenzeitlich mussten die Pferde die neugierigen Kühe vertreiben, was vor allem Gharib mittlerweile große Freude bereitete. Auch Shamanta fasste so langsam Mut und war über einen Erfolg ziemlich Stolz. Als dann aber Schrammel der Stier kam, wurden wir wieder etwas kleinlauter... Zurück beim Krimmler Tauernhaus haben wir es uns auf der Koppel mit Ausblick auf die grasenden Pferde mit frischem Kaffee gemütlich gemacht und die letzten Sonnenstrahlen genossen. Beim Abendessen gab es wieder nicht nur einige Köstlichkeiten, wir hatten auch wieder so einiges zu Lachen während wir die vergangenen Tage Revue passieren liessen. Da hat´s selbst unserem sonst so ausgeglichenen Rainer "den Vogel aussi ghaun"... aber wir hatten ihn ja bereits vor dem Alpenritt gewarnt auf was er sich da mit uns einlässt.

Tag 4:
An unserem 4. Tag ging es wieder zurück nach Krimml zu unseren Hängern. Natürlich mussten wir wieder an den Kühen vorbei und den Tunnel passieren. Plötzlich waren wir von zwei gutgelaunten Shetlandponies umzingelt, die im wilden Gallopp ihre wahre Freude hatten. Das war für Dankeschön die Gelegenheit zu beweisen, dass sie wahrhaftig ein Verlasspferd ist - man kann sich darauf verlassen, dass sie wieder Mist macht. Zum Leidwesen von Petra, die danach nochmal neu aufsteigen musste.

Wir sind aber gut in Krimml angekommen. Da dort immer noch Prutus auf uns wartete, hat sich die Parkplatzfrau vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. Nachdem die Pferde versorgt waren, haben wir uns zum Abschluss unseres Abenteuers noch ein gemeinsames Mittagessen gegönnt bevor wir die Heimreise angetreten sind. Zum Schmunzeln gab es dann aber doch noch etwas als wir zurück zu den Hängern kamen. Hier wartete jeweils eine Notiz an unseren Windschutzscheiben, Absender unbekannt. Jemand dachte wohl allen Ernstes, dass wir von Deutschland mit unseren Pferden nach Österreich fahren um dann eine Wanderung zu den Krimmler Wasserfällen zu machen, während unsere Pferde in den Hängern stundenlang warten müssen.

Zum Schluss bleibt uns nur noch zu sagen: "Danke Hannah und Rainer für das tolle Abenteuer - traumhafte Landschaft, wichtige Erfahrungen und immer viel zu Lachen. Ihr dürft uns wieder mitnehmen (wenn ihr euch traut)."